Werkstatt des Physik-Instituts der Universität Zürich
Die Universität Zürich (UZH) ist die größte Univer sität der Schweiz mit über 28.000 Studierenden. Gegründet im Jahr 1833, zählt sie zu den führen den Universitäten im deutschsprachigen Raum. Sie bietet ein breites Spektrum an Studienmög lichkeiten in si
Die Universität Zürich (UZH) ist die größte Univer sität der Schweiz mit über 28.000 Studierenden. Gegründet im Jahr 1833, zählt sie zu den führen den Universitäten im deutschsprachigen Raum. Sie bietet ein breites Spektrum an Studienmög lichkeiten in sieben Fakultäten, einschließlich Ba chelor-, Master- und Doktoratsprogrammen, so wie Weiterbildungsmöglichkeiten. Als Mitglied der «League of European Research Universities» (LERU) ist die UZH eine der führen den Forschungsuniversitäten Europas. Sie ist bekannt für ihre herausragende Forschung in den Bereichen Medizin, Immunologie, Genetik, Neurowissenschaften, Strukturbiologie und Wirt schaftswissenschaften. Bisher wurden zwölf ihrer Wissenschaftler mit ei nem Nobelpreis ausgezeichnet
Firmen Angabe
| Universität Zürich | Physik-Institut der Universität Zürich |
| Hauptsitz | Zürich Irchel |
| Gründungsjahr | 1833 |
| Gründer | Regierungsrat des Kantons Zürich |
| Mitarbeiter 2021 | ca. 9‘896 |
| Studierende 2021 | 29‘470 |
| Homepage | http://www.uzh.ch |
Reto Maier: „Gemeinsam gut. Werkstoff, Zusatzmaterial, Schweissapparat und Schweisser können nur gemeinsam Erfolg haben.“
auf ein Wort mit Herrn Maier und Herrn Lussi
Vorstellung
Guten Tag und vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses In terview nehmen. Können Sie sich bitte kurz vorstellen?
Ja klar, gerne. Wir sind Reto Maier, Werkstattleiter, und Bruno Lussi, Verantwortlicher Schlosserei.
Was ist das Spezialgebiet der Werkstatt des Physik-Instituts der Universität Zürich?
Unsere Funktion besteht darin, das Physik-Institut der UZH zu un terstützen, indem wir die Forscher beraten und oftmals auch deren Ideen von der Konstruktion bis zur Montage ausführen. Somit sind wir an nationalen, sowie internationa len Forschungsprojekten beteiligt. Deutlich wird dies, wenn wir einen Blick auf unsere Kunden richten: die Physiker im internen Labor, das Paul Scherrer Institut, das CERN und vereinzelte externe Kunden. Letztere jedoch ausschliesslich wenn wir dafür freie Kapazitäten haben, wobei wir momentan sehr stark ausgelastet sind.
Wann wurde die Werkstatt gegründet und wie gross ist sie heute?
Die Werkstatt wurde 1949 er öffnet und befindet sich seit 1993 am aktuellen Standort am Irchel in Zürich. Das Team besteht aus fünf Festangestellten sowie zwei Aus zubildenden. Zum Vergleich; Das gesamte Physik-Institut der UZH umfasst zurzeit 219 Angestellte.
An welchem grossen Projekt arbeiten Sie momentan?
Seit zwei Jahren arbeiten wir am DARWIN Projekt, ein zukünftiges Experiment zur Suche nach dunk ler Materie und nach raren Neut rino Interaktionen am Gran Sasso in Italien. Die dafür benötigte zwei phasige (flüssig/gasförmig) Xenon Zeitprojektionskammer wird 2.6m Durchmesser und 2.6m Höhe ha ben und insgesamt 50t Xenon be inhalten.
Entworfen wurde diese Kam mer von der Astro-Teilchenphysik -Gruppe der Universität Zürich un ter der Leitung von Prof. Dr. Laura Baudis. Derzeit wird der Prototyp „DAR WIN Demonstrator“ mit 350kg Xenon in gemeinsamer und enger Zusammenarbeit in der Montage halle unserer Werkstatt aufgebaut. Integrale Bestandteile wie die Kry ostate, die Nivellier-Mechanik und viele Teile des Gassystems werden direkt von uns gefertigt.
Demnächst folgen der Kühlturm und der eigentliche Detektor. Das Ziel des Projektes ist es, über die nächsten Jahre den Elektronendrift über die volle DARWIN-Höhe zu demonstrieren, sowie die benötig te Hochspannung und viele weitere Subsysteme für DARWIN unter rea len Einsatzbedingungen zu testen.
Wie viele Projekte begleitet die Werkstatt pro Jahr zirka?
Pro Jahr führen wir mehrere hundert Teilprojekte durch sowie einzelne Grossprojekte, welche teilweise auch über mehrere Jahre dauern.
Inwiefern kommen Sie mit den Studierenden in Berührung?
Jeder Student, der einen Mas ter in Physik abschliessen möch te, muss einen zweiwöchigen Schweisskurs in unserer Werkstatt absolvieren. So erhalten die Stu denten einen Einblick in den Werk stattalltag und erlangen ein besse res Verständnis für unsere Arbeit.
Ausserdem erhalten sie auf diese Weise auch einen ersten Einblick in die praktische Arbeitswelt. Aber auch über diesen Kurs hinaus kom men wir mit den Studierenden in Kontakt, da wir sie in ihren Studien unterstützen. Daher empfinden beide Seiten diesen Kurs als sehr hilfreich für die Zusammenarbeit.
Welche Schweissverfahren nutzen Sie in der Werkstatt?
Wir nutzen insgesamt neun Schweissverfahren. Diese sind TIG, MIG, MAG, Plasma, Widerstand schweissen (Punktschweissen), Elektroden (E-Hand), Autogen, Weichlöten und Hartlöten. Das widerspiegelt, in welch breitem Spektrum wir uns schweisstech nisch bewegen.
Wo informieren Sie sich zum Thema Schweissen?
(Bruno Lussi): Ich nehme jedes Jahr an den Herbsttagungen teil und bin Mitglied im SVS (Schwei zerischer Verein für Schweisstech nik). www.svs.ch
Was fasziniert Sie am Schweissen?
(Reto Maier): Mir gefällt am meis ten, dass man in diesem Beruf Pro jekte von A-Z durchführen kann: sämtliche Schritte von der Idee bis zum finalen Endprodukt.
Was war die verrückteste Ar beit, die Sie je gemacht haben?
(Bruno Lussi): Für mich war ein kürzliches Projekt sehr spannend, bei welchem ich mit 99,9% reinem Kupfer gearbeitet habe. Eine an dere spannende Arbeit war, als ich für das CTA-Projekt* (Cherenkow Telescope Area) am Bau einer Kamera von zirka 2t Gewicht in volviert war und dafür die Mon tagevorrichtungen geschweisst habe.
(Reto Maier): Für mich sind die verrücktesten Arbeiten die, bei denen wir von Anfang an mitein bezogen werden und versuchen müssen, für verzwickte Projekte Lösungen zu finden. Das müssen nicht mal grosse Dinge sein.
Was waren für Sie besondere Herausforderungen während der Corona-Zeit?
Während dem Lockdown wurde das Institut innerhalb kurzer Zeit für 8 Wochen geschlossen, sodass wir uns sehr schnell umorganisie ren mussten, da wir während die sen Wochen nicht vor Ort arbeiten konnten. Wir haben dann von zu hause aus konstruiert und konnten nur noch in dringenden Fällen ver einzelt in die Werkstatt, als wir zum Beispiel das Institut der Virologie bezüglich Corona-Tests unterstüt zen mussten.
Ansonsten blieb die Arbeit aber in dieser Zeit etwas liegen, was wir fast nicht mehr aufholen konnten, sodass wir einige Aufträge extern geben mussten. Inzwischen hat sich dies aber zum Glück wieder eingependelt.


